Einbeziehung von Angehörigen in die Suchttherapie

Im letzten Echo hat mein Kollege Johannes Benedde über den Sinn und Zweck von Gruppenarbeit geschrieben. Wenn sich suchtmittelabhängige Menschen zur Teilnahme an einer Therapie entschlossen haben, stellt sich vielfach die Frage, welche Möglichkeiten Angehörige haben, um sich beraten zu lassen. Ist die Einbeziehung der Angehörigen in die Therapie sogar wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Genesungsverlaufes?

Oft sind Einwände der Angehörigen zu hören, die aussagen: "Das ist doch das Problem des Suchtkranken", "ich habe dafür gesorgt, daß er in die Therapie geht", "ich will erstmal abwarten, ob er es diesmal ernst meint" usw. Diese Einwände sind aus der Sicht der Angehörigen verständlich.

Viele haben oft Jahre der Hilflosigkeit und Verzweiflung, das Hin und Her zwischen Hoffen und Bangen, manchmal auch dramatische Ereignisse im Rausch miterlebt. Zunehmende Belastungen durch Pflichten und Aufgaben, die früher der Kranke selbst wahrnahm, stellten zusätzlich hohe Anforderungen an die Belastbarkeit der Angehörigen. Wer jahrelang darum gekämpft hat, daß ein Mensch aufhört zu trinken, glaubt oft: "Alkohol weg, alle Probleme weg". " Wenn er nur aufhört mit trinken, wird alles so wie früher." Welch eine Fehleinschätzung!

Zum Einen sind da die negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit, die es zu überwinden gilt. Zum Anderen lernt der Suchtkranke in der Therapie seine Krankheit anzunehmen, sich zu verändern. Die geänderten Sicht- und Verhaltensweisen will er nun auf die Partnerschaft bzw. Familie übertragen. Notwendig ist die Einbeziehung der Angehörigen in mindestens fünf Punkten:

  1. Verständnis für die Entwicklung und Art der Suchterkrankung vermitteln.
  2. Eine offene Aussprache zwischen den Betroffenen ermöglichen, um die Vergangenheit zu bewältigen.
  3. Gemeinsame Vorstellungen über ein zukünftiges Leben entwickeln.
  4. Den Umgang mit immer wiederkehrenden Gefühlen wie Mißtrauen, Angst und Ärger lernen.
  5. Ein Rückfall in alte Verhaltensweisen, auch ein Trinkrückfall ist nicht auszuschließen.
Wir wollen darüber sprechen, wie sich Angehörige dazu verhalten können.

Angehörige können nicht erreichen, daß die Betroffenen vom Alkohol loskommen, das müssen die Betroffenen selber schaffen. Aber Angehörige können lernen damit umzugehen, daß ihr Partner suchtmittelabhängig ist. Für die zukünftige Situation in der Partnerschaft / Familie wird mitentscheidend sein, ob es gelingt ein neues Gleichgewicht zu schaffen, offene Gespräche zu führen, letztlich partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen zu leben. Wir haben den Anforderungen Rechnung getragen und erneut eine Angehörigengruppe ins Leben gerufen. Über die Vorteile von Gruppenarbeit hat mein Kollege im letzten "Echo" geschrieben. Der Angehörige soll im Mittelpunkt stehen, somit auch seine Bedürfnisse wieder zur Sprache kommen. In der Gruppe soll es möglich sein, sich über den bisherigen Weg, die eigene Identität und das eigene Wollen mit anderen, die in der gleichen Situation stehen, auszutauschen. Wenn Angehörige weiter, nach der Teilnahme an der Angehörigengruppe der Suchtberatungsstelle, den Kontakt zu mitbetroffenen Angehörigen suchen, bestehen hierzu Möglichkeien im Rahmen des Braunschweiger Freundeskreises; auch dort besteht bereits seit längerer Zeit eine Angehörigengruppe (siehe Echo 2/94).

Über Beginn, Ablauf und inhaltliche Fragen unseres Angebotes informiert Sie kurz das untenstehende Info-Blatt. Für weitere Information stehen wir gerne zur Verfügung.

Information Gruppen für Angehörige

Ab 17. Jan.1996 findet jeweils mittwochs in der Zeit von 16.30 -18.00 Uhr eine Angehörigen-Gruppe in den Räumen der Suchtberatungsstelle, Jasperalle 33, statt. Die Gruppe ist geplant für Angehörige von alkohol- und / oder medikamentenabhängigen Menschen, die sich in Therapie befinden. In der Gruppe sollen u.a. folgende Themen besprochen werden: Die Vorbesprechung zur Teilnahme an dieser Gruppe findet mit dem Bezugstherapeuten des Betroffenen statt. Die Teilnahme sollte regelmässig erfolgen und ist auf 12 Gruppensitzungen beschränkt.

Wolfgang Balzer aus ECHO 1/96


31.01.2001http://www.suchtkrankenhilfe.net/ein_ange.htm
http://home.t-online.de/home/hbkost/sucht/ein_ange.htm