Interview mit Radio Okerwelle

Sommerfest 1997 beim Braunschweiger Freundeskreis


Redakteurin von Radio Okerwelle (R): Vergangenen Samstag waren wir zu Gast beim Sommerfest des Braunschweiger Freundeskreises. Dabei hatten wir Gelegenheit, uns mit Frau Katzmarek zu unterhalten, einer ehrenamtlichen Suchtkrankenhelferin, die auch Mitglied des Vorstandes ist. Außerdem äußert sich eine Angehörige eines trockenen Alkoholikers über den Braunschweiger Freundeskreis e.V.

Der Braunschweiger Freundeskreis ist eine Vereinigung zur Förderung der Rehabilitation von Suchtkranken. Der Verein hat 4oo Mitglieder. Ungefähr ein Viertel der Leute sind Familienangehörige. Der Freundeskreis unterhält seit über 2o Jahren eine Begegnungsstätte in Braunschweig in der Jasperallee 33. Im gleichen Haus ist auch die Suchtberatungsstelle der Stiftung Lukas-Werk untergebracht; dort werden die Alkoholkranken therapiert. Der Freundeskreis ist dagegen eine Selbsthilfegruppe für Alkoholkranke und Medikamentenabhängige und deren Angehörige.

Die Begegnungsstätte des Freundeskreises ist an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Wochentags können sich interessierte Leute von 17 - 20 Uhr und sonntags von 16 - 19 Uhr in der Begegnungsstätte treffen und Kaffee trinken, klönen oder sich Rat bei anderen Betroffenen holen. Wer sich beim Braunschweiger Freundeskreis Unterstützung holen möchte, kann einfach zu den Öffnungszeiten in die Jasperallee 33 gehen oder dort unter der Telefonnummer 346622 anrufen.

Frau Katzmarek (K): Wir haben hier eine Cafeteria - somit Begegnungsstätte - da können Sie hierherkommen und sich so erst einmal alles angucken und beschnuppern, und dann lernen Sie es kennen und dann kommen Gespräche auf, und wenn Sie etwas tun wollen, dann gehen Sie in eine Gruppe. Wir haben sieben Gruppen hier, die gut besucht sind.

Ich leite selbst eine Gruppe. Ich gehe auf die einzelnen Patienten ein. Wir haben außerdem viele, wo die Ehen geschieden sind, die allein sind. Es gibt welche, die wohnen in einer Wohngemeinschaft, weil die durch den Alkohol alles verloren haben und sich jetzt alles neu aufbauen müssen. Und dann können wir sagen: "Guck mal, der hat das auch. Sprecht doch miteinander, wie der es geschafft hat.

Es gibt ja keinen Weg, den man zeigen kann: Darauf gehst Du die Straße runter ,und wenn Du da unten ankommst, bist Du soweit, da Du sagen kannst DU BIST TROCKEN; denn das ist ein Kampf. Das dauert ja bis zu drei Jahren, daß man sagen kann "Ich bin ein zufriedener, trockener Alkoholiker."

R: Ich habe gesehen, hier im Haus ist noch die Suchtberatungsstelle des Lukas-Werks? Von der Therapie zur Nachbetreuung - im Prinzip kann man das so als Weg sehen?

K: Ja.

R: Findet das Sommerfest eigentlich jedes Jahr statt?

K: Ja, seit 4 Jahren jedes Jahr.

R: Ja - ich denke auch so - die Leute sind eigentlich ganz lustig, unterhalten sich miteinander - . Es geht also auch ohne Alkohol.

K: Oh ja, wir haben tolle Feiern: Silvester, das ist wirklich schön.

Wir machen zusammen Fahrten, hier wird Skat und Kniffel gespielt. Hier ist fast jeden Tag geöffnet. Viele Freundschaften sind hier geschlossen worden, weil jeder vom anderen weiß: dem geht es genauso wie mir.

R: Also kann im Prinzip jeder, der durch Alkohol seine Familie verloren hat, irgendwie Freunde oder - praktisch familiär - wieder etwas finden?

K: Ja, der kann sich ja auch, wenn der Probleme hat, mit jemandem, den er vertraut, unterhalten. Wir haben etwa 400 Mitglieder, davon sind 60 % Mnner und 40% Frauen.

R: Die Telefon-Nr.?

K: Die steht im Telefonbuch. Und in der Braunschweiger Zeitung findet man uns im "Stadtspiegel" unter "Suchtkrankenhilfe.

R: Wie sind denn hier eigentlich so die Öffnungszeiten? Wann kann man denn hier herkommen, wenn man Probleme hat mit Alkohol?

K: Jeden Tag außer Donnerstag in der Zeit von 17 - 20 Uhr. Donnerstag ist abwechselnd ab 19 Uhr Treff in der Matthäus-Gemeinde oder hier in der Begegnungssttte.

R: Gibt es da eigentlich auch irgendwie so ein Sorgentelefon, wenn es einem mal nachts um 3 Uhr schlecht geht und er zur Flasche greifen möchte?

K: Nein. Aber das ist ja so, wenn einer hier regelmig herkommt und jemanden kennt, dann hat er ja Ansprechpartner. Wenn es einem schlecht geht und er Hilfe braucht, dann kann er jemand anrufen, und der erste, der da ist, der hilft ihm auch. Das ist sehr wichtig.

Die Redakteurin wendet sich jetzt einer Angehörigen (A) zu.

R: Mit welcher Motivation kommen Sie hierher?

A: Ich komme hierher, weil meinem Mann geholfen wurde durch den Freundeskreis, durch die Mitglieder des Freundeskreises. Ich habe mich hier auch ganz gut eingefügt , möchte ich sagen, und ich fühle mich wohl. Wir führen ein besseres Leben jetzt, und mein Mann bleibt trocken.

R: Und seit wie vielen Jahren kommen Sie hierher?

A: Seit 8 oder 9 Jahren.

R: Und immer ganz regelmäßig, oder?

A: Nein, unregelmäßig. Also, ich habe jetzt bei dem heutigen Sommerfest mich mit den Kindern beschäftigt. Es hat sehr viel Spaß gebracht, und ich muß auch gleich wieder raus, weil sie darauf warten - wegen der Tombola.

R: Gibt es für alle etwas zu gewinnen oder nur für die Kinder?

A: Es gibt für alle etwas zu gewinnen, aber jetzt sind erst einmal die Kinder an der Reihe, extra eine Tombola für Kinder.

R: Was gibt es da so für die Kinder zu gewinnen?

A: Spiele, Bücher, Bälle und andere Spielsachen.


aus ECHO 1/98

04.02.2001http://www.suchtkrankenhilfe.net/intervie.htm
http://home.t-online.de/home/hbkost/sucht/intervie.htm