Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH - Jahresbericht 2000 (Auszüge)

Vorwort von Manfred Berner (Direktor des DW)

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" nach Lukas 10,27

Wir achten die Würde des Menschen in Worten und Taten, so hat das Diakonische Werk seinen Auftrag im Leitbild formuliert.

Die Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH bekennt sich in ihrem Selbstverständnis dazu, dass jeder Mensch eine Würde hat. Sucht oder Abhängigkeit als Ausdruck von Lebenskrisen ist ein Zeichen für den Verlust von Sinn- und Wertgebung für das eigene Leben. Durch die Suchterkrankung wird diese Würde bedroht. Diese Bedrohung gilt es abzuwenden, indem durch menschliche Zuwendung in einem Klima der Akzeptanz und Toleranz abhängigen Menschen sinn- und wertgebende Perspektiven eröffnet werden. Die Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH mit ihren flächendeckenden Einrichtungen in Südostniedersachsen leistet diese Arbeit in besonderer Weise, weil sie unter einem Dach Prävention, Beratung, Rehabilitation, Nachsorge und Betreuung anbietet.

Die Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH zeichnet sich aber nicht nurdadurch aus, sondern durch ein hohes Potential an Ehrenamtlichen.

Mit einer Vielzahl ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeit verfügt sie über einen menschlichen Erfahrungsreichtum, den es zu erhalten und zu pflegen gilt. Diese Menschen leisten über die professionelle Hilfe hinaus durch persönliche Begleitung und Betreuung in Selbsthilfegruppen eine Arbeit die nicht hoch genug gewürdigt werden kann. Die Kooperation von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist in dieser Form bundesweit einmalig.

Ehrenamtliches Engagement ist eine Bereicherung der Hilfe im Dienst der Menschenwürde und verdient besondere Anerkennung.

Mein Dank gilt all denen, die sich im vergangenen Jahr hauptberuflich oder ehrenamtlich, für den diakonischen Auftrag der Nächstenliebe eingesetzt haben.

Ein leistungsstarker Verbund

Die Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH (LWS) ist mit ihren Einrichtungen in Südostniedersachsen flächendeckend in präventiven, beratenden, rehabilitativen, nachsorgenden und betreuenden Bereichen der Suchtkrankenhilfe tätig. Als Gründungsverein der damaligen "Stiftung Lukas-Werk" fungierte der Lukaswerk e.V., der heuten neben dem Diakonischen Werk Braunschweig Gesellschafter der Suchthilfe gGmbH ist.

Die LWS bietet in den Kommunen Braunschweig, Goslar, Helmstedt, Northeim, Salzgitter und Wolfenbüttel suchtgefährdeten und suchtkranken Jugendlichen und Erwachsenen Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten an. In Salzgitter, Wolfenbüttel, Northeim und Helmstedt werden darüber Beratungs- und Behandlungsangebote für Drogenabhängige vorgehalten. Die LWS unterhält außerdem eine Fachklinik für Medikamenten- und Alkoholabhängige, in der stationäre Kurz- und Langzeittherapien möglich sind.

Die Adaptionseinrichtung Wolfenbüttel unterstützt Menschen, die nach einer Therapie sozial und beruflich wieder eingegliedert werden sollen.

Enge Kooperationen bestehen mit Betrieben, Behörden und Institutionen. Wir führen Schulungen im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sowie Schulungskurse für alkoholauffällig gewordene Kraftfahrer durch. Den Fachambulanzen in Goslar, Helmstedt, Salzgitter und Braunschweig ist eine Fachstelle für Suchtprävention angegliedert. Aus dem Lukas-Werk hervorgegangen ist die "Arbeitsgemeinschaft der Freundeskreise im Lukas-Werk (AFL) e.V., ein als gemeinnützig anerkannter regionaler Zusammenschluß von ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfern und Selbsthilfegruppen, die mit den Einrichtungen der LWS zusammenarbeiten.

Die LWS beschäftigt ca. 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erzielt einen Umsatz von jährlich ca. 11 Mio DM, davon die Fachklinik Erlengrund ca. 5 Mio DM.

Krisenbewältigung in Angriff genommen

Aufgrund eines seit 1997 laufenden Konkursverfahrens der Stiftung Lukas-Werk war die Suchtkrankenhilfe seit etwa drei Jahren in ihrer Handlungsfähigkeit begrenzt und seitdem darauf beschränkt, das Tagesgeschäft zu bewältigen und die Liquidität zu erhalten. Die krisenhafte Übergangszeit konnte durch die gute Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern, die Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk Goslar und nicht aufgrund der vorbildlichen Arbeit in den Fachambulanzen und Beratungsstellen bewältigt werden.

In der strukturellen und finanziellen Krise liegt eine große Chance, die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Es geht dabei nicht darum, Handlungsmuster der Wirtschaft zu kopieren, sondern mit Hilfe betriebswirtschaftlicher Instrumente eigene kirchliche, diakonische und intellektuelle Ressourcen zu mobilisieren. Dieser Prozeß der Veränderung ist eingeleitet und wird im Jahr 2001 fortgesetzt.

Schon das Jahr 2000 hat für viel Bewegung in der LWS gesorgt. Das Diakonische Werk Braunschweig ist neuer Hauptgesellschafter geworden. Mit dieser Veränderung ging der Wechsel in der Geschäftsführung einher. Unsere Fachklinik Erlengrund arbeitet seit Dezember 2000 mit einem neuen therapeutischen Team unter der Leitung von Diplom-Psychologe Reinhard Laskowski. Die inhaltliche Neuausrichtung und die damit verbundenen Strukturveränderungen sind angestoßen. Ein Konzept zur langfristigen Zukunftssicherung der LWS ist erstellt.

Die Zukunft hat schon begonnen

Der neue Gesellschafter (das Diakonische Werk Braunschweig) beabsichtigt, die LWS zu sanieren, die Klinik Erlengrund baulich dem heutigen Stand anzupassen und langfristig die Zukunft der LWS zu sichern.

Wir wollen in dem bevorstehenden Prozeß die Chane nutzen, die beiden Seiten der Diakonie, Diakonie als Unternehmen und Diakonie als Wirkungsstätte gelebten Glaubens (Religion der Tat) für die LWS zu nutzen, um eine sinnstiftende und orientierungsgebende Einrichtung zu sein. Wir wollen uns im gesellschaftlichen Wandel aufgrund unserer Kompetenzen behaupten und aufgrund wirtschaftlicher Fähigkeiten gute Leistungen erbringen.

Wir sind in ihrer Nachbarschaft

Unsere sechs Fachambulanzen Sucht sowie die Jugend- und Drogenberatungsstelle Salzgitter haben sich seit vielen Jahren als - oft alleiniger - Anbieter von Suchtberatung, Suchtprävention und Vermittlung in stationäre Rehabilitation in den Kommunen bewährt.

Es bestehen enge, zum Teil jahrelange Arbeitsbeziehungen auf den verschiedensten Ebenen. Die Mitarbeiter sind in den örtlichen Arbeitskreisen "Sucht" sowie in den Fachgruppen "Sucht" der örtlichen Sozialpsychiatrischen Verbünde aktiv beteiligt, üben vielfach auch Vorsitze aus.

Die Mitwirkung erfolgt vielfach auch in den Kriminalpräventiven Räten, die in den letzten Jahren in vielen Kommunen ins Leben gerufen wurden, um Gewalt- und Suchtpräventionsprojekte durchzuführen.

In unseren Fachambulanzen und der Drogenberatungsstelle wurden 2000 insgesamt 3.796 Menschen, die direkt oder indirekt (Angehörige) von einer Suchtproblematik betroffen sind, betreut. 2.400 Menschen haben mindestens zwei Beratungsgespräche in Anspruch genommen. 397 Personen mit der Hauptdiagnose "Abhängigkeit von illegalen Drogen" wurden durch unsere Drogenhilfeeinrichtungen Helmstedt, Salzgitter und Wolfenbüttel betreut. 129 Drogenabhängige wurden im Rahmen der Psychosozialen Betreuung bei Methadonsubstitution in enger Zusammenarbeit mit kooperierenden Ärzten in den Städten versorgt.

Um die Suchtberatung langfristig zu sicherzustellen, wurden vielerorts Leistungsvereinbarungen geschlossen. In einigen Städten steht dies noch aus.

Wir sind zuversichtlich, daß wir auf der Basis der Leistungsvereinbarungen auch die Zukunft unsere Beratungsstellen sichern können. Wünschenswert wäre - an verantwortlicher Stelle in Politik und Verwaltung - eine noch deutlichere Positionierung für die Suchtberatungsstellen, die in einzigartiger Weise professionelle Suchthilfe, Angehörigenarbeit, Selbsthilfegruppen und Suchtvorbeugung unter ihrem Dach zusammenführen.

Therapie auf wissenschaftlicher Grundlage

Im Jahr 2000 entwickelten wir eine neue Gesamtkonzeption der ambulanten Rehabilitation, gültig für alle Fachmbulanzen, in denen diese Leistung angeboten wird.

Insgesamt 778 Suchtkranke führten im Jahr 2000 bei der LWS eine ambulante Rehabilitation (Leistungsträger Rentenversicherungsanstalten) durch.

Früh mit der Suchtvorbeugung beginnen

Die Fachstellen für Suchtprävention, finanziert aus den Mitteln des Niedersächsischen Sozialministeriums boten auch im Jahr 2000 in vorbildlicher Art und Weise kostenfreie Vorsorgearbeit in öffentlichen Einrichtungen, zumeist Schulen, an.

Insgesamt wurden 579 Maßnahmen im Rahmen der Suchtpräventionsfachstellen durchgeführt. Viele dieser Veranstaltungen sind Gruppenstunden, wie z.B. Projektstunden im Rahmen der Schule. So läßt sich eine Vorstellung entwickeln, wie viele Hunderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch im Jahr 2000 wieder durch die Fachstellen erreicht werden konnten.

Suchtprävention dient der Sensibilisierung für Suchtverhalten und mögliche Suchtentwicklungen und findet zielgruppenspezifisch im Vorschulbereich (Projekt zum spielzeugfreien Kindergarten) bis hin zur Erwachsenenbildung (Informationsveranstaltung und Seminare) statt.

Fachklinik Erlengrund - ein neues Team

Unter neuer Trägerschaft des Diakonischen Werkes und mit neuer Geschäftsführung wechselte das Team der Fachklinik. Im November 2000 wurden aus den Fachambulanzen therapeutische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Klinikerfahrung in die Klinik Erlengrund umgesetzt. Dieses Team entschloß sich in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und unter Zuhilfenahme eines externen Supervisors und Organisationsentwicklers für wesentliche Veränderungen in der therapeutischen Arbeit.

Neben Veränderungen in der Hausordnung wurde die Entscheidung getroffen, in Zukunft nach einem Drei-Phasen-Modell zu arbeiten und das bisherige Stufenmodell aufzugeben, In Zukunft soll es eine 14-tägige Aufnahmephase, eine Behandlungsphase und eine Abschlußphase geben.

Wichtigstes Ziel am Ende der Aufnahmephase ist die Erstellung eines mit dem Patienten verabredeten Behandlungsplanes in Form eines Patientenheftes, welches in der Behandlungsphase in regelmäßigen Abständen mit dem Patienten bilanziert wird. Somit ist gewährleistet, daß flexibel die nötigen Interventionen dem Therapieprozeß angepaßt werden können.

Der Patient steht im Mittelpunkt

Die ziel- und ergebnisorientierte Rehabilitation wird zukünftig stärker auf die berufliche Situation der Patient(inn)en ausgerichtet sein. In diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk (BFW) in Goslar von großer Bedeutung. In sechswöchigem Rhythmus wird für einen Patientenkreis in mehrtägigen Seminaren ein Bewerberprofil erarbeitet und erste Schritte für eine berufliche Orientierung herauskristallisiert. Im ersten Quartal 2001 soll ebenfalls ein EDV-gestütztes Bewerbertraining in Kursform in der Klinik angeboten werden.

Ohne Unterstützung unserer Partner geht es nicht

An dieser Stelle sei allen gedankt, die sich persönlich für die gemeinsamen Aufgaben des Lukas-Werkes eingesetzt haben.

Dank gilt auch der Mitarbeitervertreung, die bei aller verständlichen Wahrnehmung ihrer Interessen das Gemeinwaohl der Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH nicht aus den Augen verloren hat.

Viele Menschen in der Region hanen uns unterstützt:

  1. die Spender, die mit Geld oder Sachleistungen dazu beigetragen haben, daß wir immer ein wenig mehr machen konnten als Kostensätze und Zuschüsse zulassen
  2. die ehrenamtlichen Helfer, die Zeit und Engagement aufgewendet haben, um Menschen mit Suchtproblemen in ihrer Freizeit zu begleiten oder Patienten zu besuchen
  3. die Arbeitsgemeinschaft der Freundeskreise im Lukas-Werk (AFL) e.V., die uns seit vielen Jahren in unserer Arbeit unterstützt
  4. der Lukaswerk e.V., der die Interessen der Suchtkrankenhilfe in Politik und Kirche für und mit uns vertritt
  5. die Partner in den Behörden, bei den Leistungsträgern, in der Politik, in den Medien, bei Unternehmen und Banken, in den Verbänden, die uns kritisch begleitet und dort, wo sie es verantworten konnten, unterstützt haben.

Ein abschließendes Dankeswort gilt den Menschen, die unsere Leistungen in Anspruch genommen haben und mit uns zufrieden waren oder uns auf unsere Fehler hingewiesen haben.