Lukas-Werk gemeinsam im Reichstag

"Sind das alles Fromme?" fragt der Beamte am Einlaß des Bundestages, und auf den letzten von uns zeigend erwidert seine Kollegin "Ja, bis hierher." Sind wir alle wirklich so fromm? Und wenn ja, woran erkennt man das denn?

Wir, das sind die Mitglieder der AFL-Freundeskreise und des Lukaswerk e.V. sowie Mitarbeiter der Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH, auf einer Art "Familienausflug" des Lukas-Werks, hervorragend organisiert und geplant von dem Gespann Isensee / Habekost.

Während ich noch darüber nachsinne, weshalb man uns für fromm hält und überlege, ob die eindrucksvolle Andacht von Herrn Pfarrer Wagner vom Lukaswerk e.V. im Bus Spuren in unseren Gesichtern hinterlassen haben könnte, löst sich das Rätsel von selbst. "Ab hier sind alles Müller", ruft der Beamte. Richtig, der Bundestagsabgeordnete Jochen Konrad Fromme hat uns ja in den Reichstag eingeladen und deshalb waren wir für das Personal "Fromme".

Und Herr Fromme begrüßte uns wie alte Bekannte, denn viele kannte er bereits von den sozialkritischen Foren des Lukaswerk e.V., an denen er in den letzten Jahren regelmäßig aktiv teilgenommen hatte. Wir konnten von ihm viel Neues über Aufgaben und Probleme des Bundestages wie auch manche Hintergründe kennenlernen. Im anschließenden Fachgespräch über Suchtkrankenhilfe zeigte sich, daß Herr Fromme nicht zuletzt durch das Zusammenwirken mit dem Lukaswerk e.V. bereits ein für einen Nichtfachmann erstaunliches Fachwissen erworben hat. In dem Gespräch, an dem sich fast alle Teilnehmer lebhaft beteiligten, wurde deutlich, daß die Probleme der Alkoholabhängigkeit, des gesellschaftlichen Trinkzwanges, der Therapie und der Finanzierung der Träger der Suchtkrankenhilfe auch in der Arbeit des Bundestages im Blick behalten werden müssen. Herr MdB Fromme machte deutlich, daß ihm die Suchtkrankenhilfe und insbesondere die Arbeit des Lukas-Werks mit seiner Therapiekette sehr am Herzen liegt.

Unter den vielen Themen war rasch die vorgesehene Zeit überzogen und die nächste Gruppe von der Bundeswehr wartete bereits. Der scherzhafte Ausruf eines Offiziers wegen der Zeitüberschreitung: "Bitte verlassen Sie den Saal, sonst lasse ich ihn räumen", wurde denn auch angesichts der entschlossen drein blickenden Militärs von manchem für bare Münze genommen, und so ging es fluchtartig unter die Reichstagskuppel.

Ein herrlicher Blick über Berlin belohnte die Anstrengungen. Nach einem gemütlichen Bummel über Friedrichstraße und Unter den Linden klang eine schöne Tour aus. Und nicht nur auf der anschließenden Rückfahrt gab es viel zu erzählen.

Ich denke, für das Lukas-Werk - und damit meine ich alle von Freundeskreisen, Lukaswerk e.V. und Lukas-Werk Suchthilfe gGmbH - war es gut, daß wir uns alle etwas näher gekommen sind und uns nun noch besser kennen. Schließlich festigen Familienfeiern auch den Zusammenhalt von Familien, wie das auch bei der Familie Lukas-Werk der Fall war. Kurz und gut, es war eine gelungene, abwechslungsreiche und trotzdem auch lehrreiche Fahrt mit Tiefgang und auch viel Spaß. Was will man mehr. Den Organisatoren, Herrn MdB Fromme und auch den Teilnehmern dankt

Wolfgang Siebert.

aus dem ECHO 2/2001