Raucher sichern Renten

Immer wieder ziehen Gesundheitspolitiker gegen das Rauchen zu Felde. Sie verweisen auf die gesundheitlichen Schäden und die hohen Behandlungskosten und versuchen, den Rauchern das Leben mit Tabaksteuererhöhungen und Rauchverboten zu vermiesen. Jetzt ist ein Buch erschienen, das dem Leser den Unsinn solcher Antiraucherinitiativen erklärt. Das im Eichborn-Verlag erschienene "Lexikon der populären Irrtümer" setzt sich unter anderem mit den Thesen "Raucher machen das Gesundheitswesen teuer", "Raucher sterben wegen ihres Rauchens früher" und "Rauchen ist grundsätzlich ungesund" auseinander. Ergebnis:

1) Von einer nikotinfreien Gesellschaft können wir uns mehr Lebensjahre, aber auf keinen Fall weniger Gesundheitskosten versprechen. Die Krankheitskosten gehen auf der einen Seite zwar pro Kopf und Jahr zurück, weil weniger Bronchialerkrankungen, Magengeschwüre und Krebsleiden usw. zu behandeln sind. Auf der anderen Seite fallen in den zusätzlichen Lebensjahren auch zusätzliche Krankheitskosten an. Zitat: Ein Raucher auf dem Friedhof kostet die Krankenkasse nichts, Nichtraucher liegen der AOK viele Jahre länger auf der Tasche, bis sie schließlich an einem teuren Herzleiden sterben.

2) Würden alle Raucher heute mit Rauchen aufhören, wäre unser soziales Sicherungssystem unbezahlbar. Wir müßten unsere Renten drastisch kürzen oder die Beiträge um ein paar Prozentpunkte anheben. Denn die zusätzlichen Renten (ca. 50 Milliarden DM im Jahr) für die länger lebenden Raucher würden die BfA und die Landesversicherungsanstalten schon bald ruinieren. Und jetzt denke ich weiter:

3) In der deutschen Tabakindustrie gingen 20.000 Arbeitsplätze verloren. Zigarettenläden müßten schließen. Auch mit Feuerzeugen und Aschenbechern ließen sich keine Geschäfte mehr machen. Unübersehbare konjunkturelle Folgen sind zu befürchten.

4) Ohne die Werbemittel aus der Tabakindustrie ginge der Formel Eins die Puste aus. Kein Schumi ohne WEST und CAMEL.

5) Und wie soll die arg gebeutelte Staatskasse den Wegfall von über 20 Milliarden DM Tabaksteuern verkraften? Minister Waigel wußte ja letztes Jahr nicht einmal, wie er eine Erhöhung des Kindergeldes um 20,- DM (entspricht vier Schachteln Zigaretten) im Monat finanzieren soll.

Vielleicht sollten Blüm, Seehofer und Waigel den Zigarettenabsatz fördern: durch Erlaubnis der Zigarettenwerbung im Fernsehen, durch völligen Verzicht auf Nichtraucherkampagnen, durch konsumfördernde Senkung der Tabaksteuern und Hinweise auf Zigarettenschachteln, daß (sechzigjährige) Raucher seltener als (siebzigjährige) Nichtraucher an Alzheimer oder Parkinson erkranken. Man sollte das HB-Männchen und (posthum) den MARLBORO-Cowboy mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen. Und wenn ich weiterdenke, dann sichern auch andere Suchterkrankungen Blüms Renten. Warum werden Suchtberatungsstellen noch mit Geldern von den Sozialversicherungsträgern unterstützt? Wieso kann die Tätigkeit von Selbsthilfegruppen als gemeinnützig anerkannt werden?

Soweit geht das ansonsten sehr lesenswerte und interessante Buch dann doch nicht. Einem Raucher würde ich es allerdings nicht zu Weihnachten schenken; denn der wird sich über eine Stange LUX oder LORD EXTRA sicherlich mehr freuen.

Klaus Habekost
aus ECHO 1/97


31.01.2001http://www.suchtkrankenhilfe.net/rsichre.htm
http://home.t-online.de/home/hbkost/sucht/rsichre.htm