Rückfall mit Clausthaler ??


Es wird gefeiert, fast alle trinken Bier, die Autofahrer verlangen nach "Clausthaler", das ist das alkoholfreie Bier, bei der der Hund in der Fernsehwerbung seinem Herrchen "nicht immer, aber immer öfter" gehorcht. Da werde ich von meinem Tischnachbarn, der weiß, warum ich seit vielen Jahren Alkoholverzicht übe, gefragt, ob ich denn wenigstens ein "Clausthaler" trinken dürfte. Ich habe ihm geantwortet,
  1. das weiß ich nicht, ich glaube es aber nicht
  2. ich weiß nicht, ob es überhaupt schmeckt und
  3. ich habe gar keinen Hund.

Zugegeben, mit der Antwort war nicht viel anzufangen, aber sie erheiterte insbesondere die Tischgenossen, die Bier ablehnen, wenn es nicht die üblichen 3,5% bis 4% Alkohol enthält.

Erst etwas später habe ich versucht, mich sachlich mit der Gefahr alkoholfreien Bieres auseinanderzusetzen. Obwohl ich mir die Antwort eigentlich selbst geben konnte, habe ich zwei Brauereien und das Bundesgesundheitsministerium angeschrieben und mich erkundigt, ob denn "Clausthaler", "Kelts" und wie sie alle heißen, wirklich alkoholfrei sind, und ob trockene Alkoholiker diese Getränke bedenkenlos trinken könnten.

Unter dem Aktenzeichen 413-6442 hat mir am 30.06.94 das Bundesministerium für Gesundheit mitgeteilt, daß "alkoholfreies" Bier bis zu 0,5 vol. % Alkohol enthalten darf, da es als technisch unvermeidbar angesehen wird, Biere ohne jeglichen Restgehalt an Alkohol herzustellen, die auch in geschmacklicher Hinsicht noch befriedigende Eigenschaften aufweisen. Zur Zeit bestünden keine Möglichkeiten, den Brauereien die Angabe des tatsächlichen Alkoholgehaltes vorzuschreiben, weil die EG-Lebensmittel-Richtlinien nur bei Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2% vol. eine Kennzeichnung vorsehen. Weiter heißt es wörtlich in dem Brief von den Mitarbeitern des Ministers Seehofer:..."Alkoholfreies Bier bewirkt nach ärztlicher Auffassung zwar aufgrund seines Alkoholgehaltes, der etwa dem alkoholfreier Getränke und von Fruchtsäften entspricht, keinen Rückfall bei trockenen Alkoholikern. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren ist aber ein psychologischer Effekt, der im Einzelfall für den Alkoholkranken eine Rückfallgefahr bedeuten könnte, nicht ohne weiteres auszuschließen".

Die beiden Brauereien haben sich ähnlich geäußert: "Die Gefahr für Alkoholkranke liegt allerdings darin, über den wirklich bierigen Geschmack von ... doch in Versuchung zu geraten, zu einem klassischen Bier zu greifen," und daß "... vor dem Genuß eines alkoholfreien Bieres dringend gewarnt wird".

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Und anstatt darüber nachzudenken, warum wir nicht mal ein "Clausthaler" bestellen, sollten wir uns fragen, "warum würde ich denn überhaupt ein alkoholfreies Bier trinken?" Und was da als (ehrliche) Antwort denkbar ist, wird wahrscheinlich einer Zusammenstellung häufiger Rückfallursachen gleichen.

Man hätte das Thema auch kürzer abhandeln können:
  1) schlafende Hunde soll man nicht wecken
  2) und wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Aber das war mir zu einfach und zu klar.

Klaus Habekost
aus ECHO 2/94

 


31.01.2001 http://www.suchtkrankenhilfe.net/rueckfal.htm
http://home.t-online.de/home/hbkost/sucht/rueckfal.htm